Mit Wespen und Hornissen leben

- Mit Wespen lässt es sich in Frieden leben
- Wespe ist nicht gleich Wespe
- Stichpunkte zur Abwehr naschhafter Wespen
- Sie fliegen nur einen Sommer
- Hilfe, ein Wespennest!
- Im Notfall: Fachgerechte Bekämpfung
- Auch “Störenfriede” genießen Schutz

Mit Wespen lässt es sich in Frieden leben


So manchen können sie sommertags in Verzweiflung bringen, wenn sie beim sonntäglichen Kaffeetrinken auf der Terrasse an der Obsttorte naschen. Auf der “Hitliste” der als lästig und gefährlich empfundenen Tiere rangieren sicherlich die gelbschwarzen Wespen ganz oben. Alljährlich zur “Wespenzeit” steht das Telefon der Feuerwehr und den Imkern nicht still:

Immer die gleiche Flut von Hilferufen: “Wir haben ein Wespennest - und möchten es schnellstens wieder loswerden”. Dabei ist in den meisten Fällen eine Bekämpfung völlig unnötig. Wer etwas mehr über die Lebensweise der Wespenarten weiß und bei Belästigung einfache Verhaltensregeln beachtet, kann auch mit Wespen in Frieden leben.


Wespe ist nicht gleich Wespe

Wer weiß schon, daß sich die große Mehrzahl der bei uns lebenden Wespenarten absolut friedlich verhält, teilweise sogar gar nicht in der Lage ist zu stechen? Mehr Wissen über das unterschiedliche Verhalten der fast 500 in Mitteleuropa lebenden Wespenarten trägt dazu bei, unnötige Vernichtungsaktionen zu vermeiden. Denn nur ganze zwei dieser Arten können durch Naschhaftigkeit und Anfliegen von Menschen - aber auch nur zeitweise im Jahr - zu einem Problem werden.

Unter den Wespen gibt es - wie bei ihren nahen Verwandten, den Bienen - staatenbildende (soziale) und einzeln lebende (solitäre) Arten. Die meisten Arten sind als einzeln lebende Wespen gern gesehene Gäste am Haus und im Garten, da sie als Blütenbesucher und Insektenfresser von Nutzen sind. Ihre Weibchen bauen Brutröhren in morschem Holz, Hohlstengeln, Steinspalten oder Wegen und versorgen ihre Brut überwiegend mit gelähmten Insekten. Eine Belästigung geht von diesen Arten, die teilweise auch über keinen Stechapparat verfügen, nicht aus.

Von den vielen hundert Wespenarten gehören nur elf zu den staatenbildenden (sozialen) Faltenwespen. Nur diese Tiere werden gewöhnlich von Laien als “typische” Wespen erkannt. Und von ihnen sind es nur zwei Arten, die für den Menschen zeitweise im Jahr richtig lästig werden können: die Deutsche Wespe (Paravespula germanica) und die Gemeine (=gewöhnliche) Wespe (Paravespula vulgaris) teilen im Sommer mit uns die Vorliebe für süße Speisen und Getränke und verhalten sich zu dieser Zeit nicht immer friedlich bzw. manchmal auch aggressiv. Von reifem Obst und süßen Speisen angelockt, gelangen diese Wespen in unmittelbare Nähe von Menschen. Fühlen sich die Tiere durch menschliche Abwehrreaktionen bedroht, greifen sie auch mal zu ihrem wirkungsvollsten Mittel der Verteidigung: sie stechen. Solche schmerzhaften, in der Regel nicht gefährlichen Begegnungen lassen sich durch ruhiges, kontrolliertes Verhalten aber meist vermeiden, wenn den Wespen durch die folgenden Vorbeugemaßnahmen das Naschen erschwert wird.

Alle übrigen Faltenwespen-Arten vermeiden als friedfertige Arten grundsätzlich ein Anfliegen von Menschen. An Kaffeetischen, in Konditoreien oder an Limonadenflaschen wird man diese Arten nicht antreffen. Das gilt auch für eine der bekanntesten Vertreterinnen der Faltenwespen, die leider völlig unberechtigt in Verruf gebracht wurde: Wie viele andere Wespen auch verhalten sich Hornissen (Vespa crabro) von Natur aus friedlich und setzen ihren Stechapparat nur bei Bedrohung ein. Ihr Stich ist nicht gefährlicher als der einer anderen Wespe. Für Hornissen gilt wie für alle anderen friedfertigen Wespen: Wer die Tiere nicht stört, insbesondere Erschütterungen des Nestes, ein längeres Versperren der Flugbahn oder ein Berühren der Tiere vermeidet, wird auch nicht gestochen. Außerhalb des Nestes angetroffen, ergreifen Wespen bei Störung meist die Flucht. Nur wer durch heftige Bewegungen oder eine andere plötzliche Bedrohung Tiere reizt, muß mit Abwehrstichen rechnen.


Grundsätze zur Abwehr naschhafter Wespen

Zur Abwehr naschhafter Wespen gilt der Grundsatz: Gar nicht erst in Versuchung führen, insbesondere auf faule Tricks (wie Todesfallen) verzichten. Die folgenden einfachen Maßnahmen erschweren den Wespen das Naschen und tragen dazu bei, schmerzhafte Begegnungen zu vermeiden:

  • Süße Speisen und Getränke nicht unbedeckt im Freien stehenlassen.
  • Besonders begehrte Lebensmittel, zum Beispiel in Konditoreien oder Obstgeschäften, durch Gazenetze oder Plexiglashauben schützen.
    Nicht aus offenen Flaschen trinken, Strohhalme benutzen.
  • Reste von Süßigkeiten aus dem Mundbereich von Kindern abwischen.
  • Wo Fallobst am Boden liegt, nicht barfuß laufen.
  • Wespen den Zugang zu Innenräumen durch geeignete Vorhänge versperren.


Sie fliegen nur einen Sommer

Wer im Sommer von Wespen belästigt wird, sollte jedoch wissen, daß sich das Problem in kurzer Zeit von selbst erledigt: Die Wespen sterben alle ab, bis auf die überwinternde Königin. Sie gründet im Frühjahr ein neues Volk. Vorerst beteiligen sich die Königinnen auf der Suche nach Nektar, Pflanzensäften und Honigtau an der Bestäubung unserer Obstgehölze. In dem in einem Hohlraum oder freihängend gebauten kunstvollen Nest entwickelt sich rasch ein Wespenvolk von einigen Dutzend bis zu mehreren Tausend Tieren.

Für die Fütterung der Wespenlarven müssen “Arbeiterinnen” in dieser Zeit eine Unmenge von Fliegen, Raupen und anderer Insektennahrung heranschaffen. Sie sind damit so beschäftigt, daß es bis zum Sommer kaum zu Belästigungen durch Wespen kommt. Dann stellt die Königin die Eiablage ein, und das arbeitsaufwendige Füttern der Larven entfällt. Jetzt nutzen die Arbeiterinnen ihren wohlverdienten “Ruhestand”, um sich an Obst und anderen süßen Speisen zu vergnügen.


Hilfe, ein Wespennest!

Befindet sich nun ein Nest der Deutschen oder Gemeinen Wespe in unmittelbarer Hausnähe oder an anderen, häufig begangenen Stellen von Hof oder Garten, läßt sich durch Beachtung einfacher Verhaltensregeln sowie zusätzliche Hilfsmittel die kurze Zeit bis zum Ende des Wespenvolkes meist ohne schmerzliche Erlebnisse überstehen:

  • Im Abstand von zwei bis drei Meter vom Nest heftige Bewegungen und Boden-erschütterungen (zum Beispiel beim Rasenmähen) vermeiden und in dieser Zone die Flugbahn nicht verstellen.
  • Kleinkinder durch niedrige Absperrungen vom Nestbereich fernhalten.
  • Nicht mit Gegenständen in möglichen Einfluglöchern stochern und keine Wasserschläuche auf Wespennester richten.
  • Tiere im Nestbereich nicht einatmen.
  • Keine Insektenbekämpfungsmittel einsetzen.
  • In der Nähe von Häusern und Sitzplätzen eventuell Wespen durch Bretter oder Tücher so zu ihrem Einflugloch lenken, daß unliebsame Begegnungen vermieden werden.

Der im Einzelfall auftretenden Ansiedlung von lästigen Wespen in Hohlräumen des Hauses kann dort, wo es problematisch ist (zum Beispiel in Rolladenkästen, Eingangsbereichen), durch vorbeugende Abdichtung der Einschlupflöcher begegnet werden. An Stellen, an denen Nester meist kein Problem sind (zum Beispiel auf ungenutzten Dachböden), sollten aber auch Öffnungen verbleiben. Neben den harmlosen und selteneren Wespenvölker kann ein solcher Unterschlupf auch von einer Vielzahl anderer, überwiegend nützlicher Tiere genutzt werden.


Im Notfall: Fachgerechte Bekämpfung

Nur im Not- und Ausnahmefall wird bei Ausschöpfung aller Möglichkeiten die Gefahrenabwehr (wie beschrieben) durch Bekämpfung eines Nestes nötig sein. Nester lästiger Wespenarten in Nähe von Spielplätzen oder in Kindergärten erfordern im Einzelfall Gegenmaßnahmen, denn von Kindern kann trotz aller erzieherischer Bemühungen nicht immer das richtige Verhalten erwartet werden.

Kommt nur Bekämpfung in Betracht, muß man sich vergewissern, ob nicht das Nest einer Hornisse oder einer anderen gefährdeten bzw. geschützten Art betroffen ist. Bei eindeutiger “Gefahr im Verzug” ist die Vernichtung eines Nestes oft unvermeidbar (und bei der Häufigkeit der beiden lästigen Wespenarten im Ausnahmefall auch aus Sicht des Naturschutzes zu verschmerzen). Doch wer wird in solchen Fällen tätig?

Die Feuerwehr ist zwar technisch in der Lage, Wespennester fachgerecht zu entfernen, wird aber nur in absoluten Notfällen tätig. Bei akuter Gefährdung von Menschen im Bereich öffentlicher Flächen und Bauten ist der Einsatz der Feuerwehr gegen Wespennester gerechtfertigt. Im privaten Bereich gilt dies für Allergiker mit Allergikerpaß oder offensichtlich bedrohte Kleinkinder. Die Kosten sind vom Auftraggeber zu tragen.

Keinesfalls sollte der Laie selbst mit Giften gegen die wehrhaften Insekten vorgehen. Durch unsachgemäße chemische Wespenbekämpfung können gefährliche Abwehrreaktionen der Tiere ausgelöst sowie Umwelt-belastungen mit Giften verursacht werden.

Meist kann durch einfache Maßnahmen der Gefahrenabwehr die Vernichtung eines Wespennestes vermieden werden. Nur in begründeten Notfällen werden Nester lästiger Wespenarten - durch geschultes Fachpersonal - chemisch bekämpft.


Auch “Störenfriede” genießen Schutz

Seit langer Zeit sind Wespen als Plagegeister und Lästlinge ein Opfer von Vernichtungsaktionen. Dass auch lästige Tiere aus ethischen Gründen ein Lebensrecht genießen, aus ökologischen Gründen (als Teil des Naturhaushalts) schützenswert sind und aus rechtlichen Gründen grundsätzlich gar nicht bekämpft werden dürfen, wird dabei heute häufig nicht bedacht.

Besonders schutzbedürftig sind auch die gefährdeten Arten. Neben vielen einzeln lebenden Wespenarten sind dies auch schon einige sozial lebende Faltenwespen wie die Mittlere Wespe, die Feldwespen sowie die Hornisse.